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Wie Sie vom Mindset einer klimaneutralen Agentur profitieren

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Immer mehr Unternehmen werden sich ihrer gesellschaftlichen und ökologischen Verantwortung bewusst. Auch das Thema „Klimaneutralität“ gewinnt an Bedeutung. Emissionen werden reduziert. Prozesse neu bewertet. Mitarbeitende ins Boot geholt. Der Way2Zero stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen, die auch kommunikativ bewältigt werden müssen.

Das kommt Ihnen bekannt vor? Dann bleiben Sie dran. Welche Erfahrungen wir auf unserem Way2Zero gesammelt haben und welche Vorteile Unternehmen aus der Zusammenarbeit mit klimaneutralen Werbeagenturen ziehen können, erzählt Michael Rapp.

„Tandem wird klimaneutral!“ – wann war euch das klar?

Da gab’s keinen konkreten Auslöser. Wir haben uns in der Agentur immer mal wieder über das Thema unterhalten und irgendwann war es so wichtig, dass wir gesagt haben, dass wir selbst Verantwortung übernehmen wollen. Bestimmt hat auch Fridays for Future dazu beigetragen, mein Bewusstsein zu schärfen. Mir ist klar geworden, was es für unseren Planeten und unsere Gesellschaft bedeutet, wenn die Gradzahlen steigen.

Spielt da vielleicht auch ein bisschen schwäbische Mentalität mit rein?

Ja, bestimmt. (lacht) Schon meine Eltern haben mir beigebracht, auf die Umwelt zu achten. Also dass wir nichts wegwerfen oder den Wasserhahn nicht ewig laufen lassen. Da ist schon eine Grundanlage in mir da.

Was versteht man unter „Klimaneutralität“?

Jedes Unternehmen erzeugt klimaschädliches CO2. Um die Umwelt zu schonen, muss die Menge der ausgestoßenen Emissionen reduziert werden. Eine Restmenge an CO2 bleibt jedoch immer übrig. Diese kann durch den Kauf von CO2-Zertifikaten kompensiert werden. Basierend auf dem Clean Development Mechanism des Kyoto-Protokolls können so Emissionen, die in einem Land entstehen, in einem anderen Land durch Klimaschutzprojekte neutralisiert werden. Ein Unternehmen ist dann klimaneutral, wenn die gesamte Restmenge an CO2 kompensiert wird.

Warum Klimaneutralität?

Wir wollen Verantwortung übernehmen, ganz einfach. Wenn ich feststelle, dass etwas schiefläuft, kann ich nicht einfach weitermachen wie bisher. Sondern ich versuche meinen Teil dazu beitragen, das zu ändern. Mir ist schon klar: Ich allein kann die Welt nicht retten. Aber wenn niemand etwas unternimmt, wird auf jeden Fall nichts passieren. Ich denke, dass wir selbst als kleinere Agentur eine Vorbildfunktion einnehmen können und freue mich, dass natureOffice uns nun ganz offiziell als klimaneutrale Agentur zertifiziert hat.

Wie hat das Umdenken im Team stattgefunden?

Vor allem über unsere „berühmte“ Kaffeepause um 16 Uhr, in der wir alle nochmal Power für den restlichen Arbeitstag tanken. Da ploppen immer wieder Themen auf, die uns am Herzen liegen. Da haben wir dann auch viel über Klimaneutralität, die Zukunft und den Sinn, den wir in unserer Arbeit sehen, gesprochen. Auch das Jahresauftakt-Meeting 2020 hat eine Rolle gespielt. Das Motto „Besser, digitaler, grüner“ war auch der Startschuss für den Tandem-Way2Zero.

Was ist natureOffice und wie ermitteln sie die CO2-Bilanz?

natureOffice unterstützt Unternehmen auf dem Weg zum nachhaltigen Handeln und aktiven Klimaschutz. Bei der Erstellung der CO2-Bilanz befolgt natureOffice das Greenhouse Gas Protocol, das standardisierte Rahmenbedingungen zur Messung und Steuerung von Treibhausgasemissionen schafft. Die Berechnung des Corporate Carbon Footprints bezieht sich auf drei Scopes:

Scope 1: direkte Emissionen wie Fuhrparks, Abgase

Scope 2: indirekte Emissionen wie Heizung, Kühlung, Elektrizität

Scope 3: indirekte Emissionen wie Material, Transport, Weiterverarbeitung, Entsorgung etc.

Wie lief euer Weg zur Klimaneutralität ab?

Das hat ganz klein angefangen. Getränke bestellen wir nur noch in Glas-, nicht in Plastikflaschen. Nutzen als Suchmaschine „Ecosia“, die mit ihren Erlösen Bäume pflanzen. Seit einem Jahr fahre ich ein Elektroauto als Firmenwagen, der mit Ökostrom fährt, den wir in Teilen aus unserer eigenen Photovoltaikanlage beziehen. Damit sparen wir drei Tonnen CO2 im Jahr. Das Team kommt teilweise mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln in die Agentur oder arbeitet direkt remote. Und wir haben auf 100 Prozent Ökostrom und Erdgasg mit 10 Prozent Biogasanteil umgestellt. Gerade das Gas ist bei uns ein kostenintensiver Posten, da wir hohe Altbauräume haben und die Beheizung dementsprechend teuer ist.

Welche Tipps würdest du Unternehmen geben, die klimaneutral werden möchten?

Zunächst sollte der Ist-Zustand ermittelt werden. Bevor Nature Office ganz offiziell unsere CO2-Bilanz bestimmt hat, haben wir dazu einfach eine App genutzt. Das ist noch relativ oberflächlich, aber man bekommt recht schnell ein Gefühl für die größten Baustellen. Bei uns war der Firmenwagen eine Möglichkeit, deutlich CO2 einzusparen. Allgemein gilt die Reihenfolge: „Vermeiden, vermindern, kompensieren.“ Anders gesagt sollte man zunächst versuchen, gar kein CO2 zu erzeugen. Dort, wo es nicht anders geht, muss dann der Wert aufs Minimum reduziert werden. Der Restbetrag CO2, der dann noch bleibt, kann mit einem Ausgleichsprojekt kompensiert werden.

Ganz wichtig: jede Maßnahme darf nicht mit der Brechstange, sondern soll immer mit dem gesamten Team im Rücken umgesetzt werden. Dabei müssen die Kolleginnen und Kollegen natürlich auch für das Thema sensibilisiert werden.

Wie groß war der verbleibende Tandem-CO2-Fußabdruck im Jahr 2021?

2021 betrug unser CO2-Fußabdruck 63.113 kg CO2e. Um diese Menge einzusparen, müssten 1,1 Millionen Personen auf eine Tasse Kaffee verzichten. Damit ihr alle trotzdem koffeiniert in den Tag starten könnt, haben wir uns für eine andere Kompensationsmaßnahme entschieden.

Was unterscheidet euch jetzt von anderen Agenturen?

Heute unterscheiden wir uns durch unser „CO2-sensibles“ Mindset. Wir kennen Herausforderungen, mit denen sich beispielsweise Unternehmen aus der Autozuliefer-Industrie durch ihre Kunden, die OEMs, konfrontiert sehen. Wir können Chancen aufzeigen, die der Way2Zero einem mittelständischen Unternehmen bietet und die Fortschritte im Prozess dazu öffentlichkeitswirksam kommunizieren. 

In Zukunft möchten wir unseren Kunden auch die Möglichkeit geben, Kommunikationsmaßnahmen nicht nur nach Reichweiten-, sondern zum Beispiel auch nach Umweltaspekten auszusuchen.

Klimaneutralität schön und gut – aber was bringt das euren Kunden?

Ich bin mir sicher, dass Klimaneutralität in Zukunft bei immer mehr Unternehmen auf der Agenda steht und auch ihre Kommunikation verändert. Kunden, die den Mobilitäts- und Energiewandel vorantreiben oder die Bedeutung von New Work wahrgenommen haben, brauchen Partner, die das richtige Mindset mitbringen. Agenturen, die sich nicht erst seit gestern oder in dem Augenblick, wo das Briefing eintrudelt, mit dem Thema beschäftigen, sondern den Weg zur Klimaneutralität selbst schon hinter sich gebracht haben. Das ist auch der Kern unserer neuen Ausrichtung, da wir darin letztlich den Hebel sehen, gemeinsam mit unseren Kunden die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

Mit welchem Klimaschutzprojekt kompensiert Tandem seine restlichen Emissionen?

Die Menge CO2, die nach unseren Einsparungsmaßnahmen übrig bleiben, neutralisieren wir durch das Solarenergieprojekt Bhadla in Rajasthan, Indien. Der dort durch Sonnenenergie erzeugte Strom wird in das indische Stromnetz eingespeist. Das Projekt ersetzt rund 733 MWh Strom pro Jahr aus dem Erzeugungsmix von Kraftwerken, die in der Regel mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Während der Bau- und Betriebsphase werden durch das Projekt außerdem Arbeitsplätze geschaffen.